Die Nacht war wieder sehr windstill und deshalb feucht. Obwohl ich das Innenzelt etwas offen gelassen habe, gibt es bei der Wetterlage immer noch Kondenswasser. Das Außenzelt wollte ich wegen Mücken nicht öffnen….Ich denke, dass der Premium-Tentmaker Hilleberg hier nicht das optimale 1-Personen-Zelt konstruiert hat.
Heute habe ich Zeit; die Rückfahrt über den Wattenweg habe ich wie gestern gegen 11 Uhr geplant: also viel Zeit zum Trocknen des Zelts. Und mein Zeltplatz auf Rømø ist vorgebucht und schon bezahlt.
Zum Frühstück habe ich gestern einen von diesen wunderbaren, dänischen 1-Liter-Joghurts erstanden (Birne-Banane: lecker!), den ich mit mitgebrachten Haferflocken und Granola mische: lecker!
Als ich den Müll wegbringe (außerhalb des Geländes), hält ein Autofahrer an und preist noch meine Leistung, mit dem Fahrrad gekommen zu sein. Er selber hätte das auch einmal gemacht, allerdings mit einem Fat-Bike. ACHTUNG: Highlight des Tages: er sprach dänisch und ich habe es verstanden!!!
Wir sprachen dann auf deutsch weiter. Er guckte auf seinem tablet auf die Gezeitentabelle und sagte, da sein kein Wasser mehr auf der Straße, erst heute Abend um 20 Uhr würde sie 5 cm unter Wasser stehen.
Also starte ich um 9.30 Uhr. Beim Brugsen kann ich - nach 2 Tagen ohne - eine Tasse (schlappen) Kaffee erstehen: Aah! Die Straße kann kommen.
Zurück schien mir das alles viel einfacher: ich bin ausgeruht, der Wind war in meinem Rücken und eigentlich waren nur 1,5 km hartes Schieben. Nach 10 km bin ich wieder auf dem Festland und steuere Vester Vedsted an: dort habe ich ein Café identifiziert, das um 11 Uhr aufmacht. 15 Minuten muss ich warten und werde zur Öffnungszeit aufs freundlichste begrüßt. Ich ordere Kaffee und einen Toast….. Dieser Ort ist so schön mit den zaunlosen, großen Grundstücken, den Bäumen, der lauen Luft und dem Duft des allgegenwärtigen Flieders, der gerade blüht und seinen Duft verführerisch um meine Nase wehen läßt: ich fange an zu träumen. So muß Radreise sein!
Nach dieser Traumpause kämpfe ich mich auf einem Gravelweg zurück zum Deichverteidigungsweg, der durchgehend befestigt ist. Außerhalb des baumbestandenen Ortes bläst der Wind wieder heftig und fast von vorn. Trotzdem habe ich heute zum leichten Pedalieren gefunden: intelligent, wie ich bin, habe ich einfach zwei Gänge heruntergeschaltet und pedaliere langsamer. Ich habe ja Zeit! Und so habe ich den Gegenwind ausgetrickst!!!
Hier am Deich ist wieder die große Ruhe. Nur ich und die See- und Wasservögel. Später lerne ich Selma kennen, die ihrem Herrchen voraus eilt. Mit selbigen halte ich ein kleines Schwätzchen.
Später muss ich mehr ins Landesinnere abbiegen. Über Rømø liegen - wie angekündigt - Regenwolken, die mich hier verschonen.
Aber als ich dann den Rømødamm entere, muss ich doch die Regenjacke herausholen. Der Damm hat einen Seitenstreifen für Fahrräder. Aber mit der Ruhe ist es vorbei: ein endloser Strom von Autos in Autobahngeschwindigkeit düsen an mir vorbei. Zusammen mit dem Gegenwind macht das keinen Spaß. Und der Damm ist fast 10 km lang!
Aber dann: als ich mich der Insel nähere, scheint wieder die Sonne, der Wind läßt nach. Rømø empfängt mich mit zärtlichen Armen. Und ich bin nicht der Einzige: man merkt sofort, dass Rømø eine Touristeninsel ist! Und da kommt gleich dieses weitläufige Gartencafé mit wunderbaren( und teuren) Torten um die Ecke: das habe ich mir jetzt wirklich verdient!!
Allerdings muss ich mich beim Bestellen schnell für eine French-Press-Kaffeekanne entscheiden….und nehme die mittlere ( natürlich zuviel Kaffee!). Später sitze ich am Tisch und der Kaffee schmeckt wun-der-bar. Als meine Hand zur dritten Tasse zuckt, denke ich mir: das wirst Du heute Abend bereuen..
Der Camping Komandørgaarden ist eine riesige Ferienanlage mit Hotel, Reiterhof, Hütten, Wohnmobilplätzen und auch Zelten: alles andere als kuschelig und auch schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Aber das wußte ich ja vorher. Dafür bin ich morgen schnell am Hafen für die Fähre nach Sylt.
Ich frage mich nur, warum die junge Dame an der Rezeption mir die Außenduschen mit Blick zum Wattenmeer so eindringlich empfohlen hat…
Zum Abendessen finde ich am Hafen noch ein Resto: Convenience auf gutem Niveau. Und wieder das leckere Bier der Vadehavs Bryggeri.










































